Die
Fabeln des antiken Dichters Aesop begründeten eine völlig neue
literarische Gattung, nämlich die der moralisierenden Tierfabeln. Diese
lehrreichen Geschichten haben bis heute nicht an Beliebtheit verloren.
Die wohl schönste Ausgabe der antiken Gedichte ist eine einzigartig
illuminierte Handschrift, die etwa um 1489 in Italien gefertigt wurde.
Das kostbare Manuskript ist mit zahlreichen wunderschönen Miniaturen
versehen, die die Geschichten in spannenden Bildern nachvollziehbar
machen.
Aesop-Fabeln
Die
moralisierenden, lehrreichen Tierfabeln des antiken griechischen
Dichters Aesop haben bis in die Gegenwart nicht an Bedeutung verloren. Aesop gilt als Begründer der europäischen Fabeldichtung,
sein Name steht bis heute als Gattungsname für das literarische Genre
der Fabeldichtung. Sein Werk existiert in zahlreichen, verschieden
gestalteten Überlieferungen und Übersetzungen. Eine herrlich illuminierte Ausgabe der antiken Fabeln wurde im späten 15. Jahrhundert in Italien geschaffen
und befindet sich heute in der Universitätsbibliothek der
Kunstmetropole Bologna. Diese wunderschöne, historisch bedeutende
Handschrift ist mit insgesamt 147 Miniaturen in einer reichen Farbfülle und mit elegant schimmernden Blattgoldelementen verziert.
Der Ursprung eines dichterischen Genres
Über das Leben des berühmten antiken Poeten Aesop sind bis heute kaum gesicherte Informationen bekannt. Zahlreiche Legenden rankten sich um den griechischen Dichter,
von denen viele schon im Umlauf waren, als in der zweiten Hälfte des 5.
Jahrhunderts v. Chr. die schriftliche Überlieferung zu seiner Person
einsetzte. Nach dem Geschichtsschreiber Herodot lebte Aesop im sechsten Jahrhundert v. Chr. in den einfachsten Verhältnissen.
Er war Dichter, Sklave des Iadmon von Samos, dem auch die bekannte
Hetäre Rhodopis gehörte, und wurde in Delphi getötet. Seine Fabeln sind mythische und weltliche kurze Geschichten, die als Gleichnis in Erscheinung treten.
Der Poet sprach alltägliche menschliche Schwächen und Fehler an. Neid,
Dummheit, Geiz, Eitelkeit, diese und andere Schwierigkeiten aus dem
alltäglichen Leben der Bewohner von Griechenland im 6. Jahrhunderts v.
Chr. bildeten die Grundlage der moralisierenden Geschichten. Die
Handlungsträger sind Tiere, Pflanzen, gar Götter oder bekannte Menschen der Zeit. Die Geschehnisse der aesopischen Fabeln besitzen entweder eine unmittelbar einleuchtende Aussage oder aber eine behutsam in Form einer Allegorie verpackte Bedeutung. Für die Geschichte der Literatur hatte die Fabeldichtung Aesops eine unermessliche Bedeutung.
Ein kostbarer Bildband
Die aesopischen Fabeln aus dem Jahr 1489 aus der Biblioteca Universitaria di Bologna bilden ein Werk, das weltweit zu den schönsten Ausgaben der einflussreichen Dichtung
gehört. Es existieren zwar keine direkten Verweise auf den Buchmaler
oder den Auftraggeber der kostbaren Handschrift, allerdings gibt es in
der Forschung eindeutige Vermutungen über ihre Entstehungsgeschichte. Man kann davon ausgehen, dass der berühmte Spross der mächtigen Herrscherfamilie Mailands, Gian Galeazzo Visconti,
einen lombardischen Künstler mit der Herstellung beauftragte. Die
unvergleichliche Qualität des Kunstbuches bestärkt die Verbindung zum
Mailänder Hof. Der hohe künstlerische Wert der illustrierten Schrift
zeigt sich besonders in den außergewöhnlichen Tierdarstellungen, sei es Frosch, Schwan oder Löwe, und ihrer jeweiligen Attitüde und Bewegung. Die Darstellungen der von Mensch und Tier bevölkerten Natur- und Stadträume sind von ausgesprochener Zartheit und Finesse,
die menschlichen Figuren erscheinen lebendig und dynamisch. Insgesamt
zeugt der illustrative Teil des meisterhaften Codex mit seinen
zahlreichen Goldhöhungen von der Arbeit eines überaus begabten
Künstlers. Die Miniaturen machen die fortschrittliche und aufgeklärte Weltsicht ihres Gestalters
deutlich. Wie eine Bildergeschichte laufen die Illuminationen
untereinander fort, flankiert vom mit herrlichen Initialen versehenen
lateinischen Text.